ENERGIE

Verkehr und Klimaschutz: Elektromobilität, neue Mobilitätskonzepte, ÖPNV

Durch den Personen- und Güterverkehr entsteht heute rund ein Fünftel der Treibhausgasemissionen. Das wachsende Verkehrsaufkommen stellt die Klimaziele der Bundesregierung und damit den deutschen Klimaschutz vor eine besondere Herausforderung. Das Öko-Institut hat in verschiedenen Projekten gezeigt, dass ambitionierte Zwischenziele für 2030 notwendig sind, um auf den Pfad einer vollständigen Dekarbonisierung des Verkehrssektors bis 2050 zu gelangen.

Im Klimaschutzplan der Bundesregierung wurden 2016 erstmalig einzelne Sektorziele für die Minderung von Treibhausgasemissionen festgelegt. Demnach sollen die Emissionen des Verkehrssektors bis zum Jahr 2030 um 40 bis 42 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken. Sektorenübergreifend wurde bis 2030 eine Minderung von 55 Prozent festgelegt. Gleichzeitig wurden auf EU-Ebene für das Jahr 2030 ebenfalls Minderungspflichten für alle Mitgliedstaaten ausgemacht. Die Reduktionsvorgabe für die sogenannten nicht-ETS-Sektoren in Deutschland entspricht dabei etwa einer Reduktion von 38 Prozent gegenüber dem Jahr 2005. 

Klimaschutz im Verkehr: Vermeiden und verlagern

Der Verkehr verursacht rund 20 Prozent der Treibhausgase in Deutschland – überwiegend durch Pkw und Lkw. Der Verkehrssektor spielt also eine wichtige Rolle für den Klimaschutz. Bisher konnte der Verkehrssektor seine CO2-Emissionen nicht reduzieren. Vielmehr ist der CO2-Ausstoß in den vergangenen Jahren wieder gestiegen. 2017 betrug er 170 Millionen Tonnen. Um das Klimaschutzziele nach Klimaschutzplan zu erreichen, müssten diese um über 70 Millionen Tonnen bis 2030 sinken. Damit dies gelingt, müssen zeitnah Maßnahmen ergriffen werden.

Dafür reicht es nicht aus, die Fahrzeuge effizienter zu machen. Zentral ist auch die Verkehrsvermeidung und -verlagerung. So muss etwa der Anteil der Transporte mit Bahn und Binnenschiffen erhöht werden. Notwendig dafür sind unter anderem eine bessere Schieneninfrastruktur und Investitionen in das Kanalnetz. Auch braucht es neue Mobilitätskonzepte und ein neues Mobilitätsverhalten. Privat müssen mehr Menschen auf das Fahrrad, den Öffentlichen Personennahverkehr und die Bahn umsteigen. Hierfür muss unter anderem in die Fahrradinfrastruktur investiert und Carsharing gefördert werden. Gleichzeitig ist der motorisierte Individualverkehr derzeit zu günstig, um tatsächlich ein umweltfreundlicheres Mobilitätsverhalten anzureizen.

Elektromobilität ist der Schlüssel für die Energiewende im Verkehr

Ein weiterer Baustein sind neue Technologien. Elektromobilität ist eine wichtige Option und die Potenziale sind groß. Auch wenn die Veränderung des Antriebs ganz sicher nicht alle Umweltprobleme des Verkehrssektors löst: Elektromobilität ist der richtige Weg. Denn Elektrofahrzeuge sind deutlich energieeffizienter als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und weisen daher auch beim heutigen Strommix bereits einen Klimavorteil auf. Dieser Vorteil wird mit dem Fortschreiten der Energiewende weiter steigen. 

Allerdings dürfen die problematischen Aspekte der Elektromobilität nicht aus dem Auge verloren werden. Die benötigten Rohstoffe für die Batterien und Brennstoffzellen sind zwar ausreichend vorhanden, auch für ein weltweites Wachstum der Elektromobilität. Allerdings kann es zu temporären Verknappungen oder Preissteigerungen für einzelne Rohstoffe – insbesondere für Lithium und Kobalt – kommen. Kritisch sind aber auch die mit der Förderung der Rohstoffe verbundenen Umwelt- und Sozialprobleme. 

Sowohl für die steigende Rohstoffnachfrage als auch für ein durchdachtes Recycling der Elektroautos müssen Lösungskonzepte entworfen werden. Besondere Herausforderungen sind im Übrigen der Verkehr zu See und in der Luft, der ein besonders hohes Wachstum aufweist. Hier besteht zudem eine große Herausforderung in der Etablierung internationaler Mechanismen zur Emissionsminderung.

Nachhaltige Mobilität beginnt auch im Kopf

Eine Studie am Beispiel von Baden-Württemberg hat aber auch gezeigt, dass eine nachhaltige Entwicklung nur dann gelingt, wenn sie von den Menschen getragen wird. Dazu braucht es eine Änderung in den „mentalen Infrastrukturen“. Damit das gelingt, müssen neue Formen von Mobilität und ihre Vorteile – mehr Lebensqualität, mehr Lebensraum, weniger Lärm, weniger Schadstoffe – erlebbar gemacht werden. 

Quelle: http://www.energiewende.de/heute-in-zukunft/


UA-13197896-6